- Länge: ca. 10 km
- Dauer: 3–3,5 Stunden
- Höhenmeter: ca. 220 m
- Start: Altstadt Blankenburg / Stadtmauer Krumme Straße
- Highlights: Festung Regenstein, Sandhöhlen, Teufelsmauer, Großvaterfelsen
Start – Alte Stadtmauer Blankenburg
zur Festung Regenstein 3,7 km | ca. 60 Minuten | ca. +90 hm
Festung Regenstein Stempelstelle Nr. 80
zu den Sandsteinhöhlen 1,9 km | ca. 30 Minuten | +20 hm
Sandsteinhöhlen im Heers Stempelstelle Nr. 81
zur Teufelsmauer mit Großvater 4,4 km | ca. 80 Minuten | +250 hm
Teufelsmauer mit Großvater Felsen Stempelstelle Nr. 76
zur Stadtmauer über Großvaterweg 1,5 km | ca. 30 Minuten | +50 hm
Ende – Alte Stadtmauer Blankenburg
Die Felsenrunde
Der Morgen in Blankenburg beginnt leise. Wenn man früh genug aufsteht so wie ich es gern tue, hört man zuerst die Amseln in den Gärten, dann irgendwo eine Kirchturmuhr, und irgendwann klappert unten in der Stadt die Tür von Bäcker Paul. An diesem Morgen schnürte ich meine Stiefel vor den alten Mauern der Stadt. Der Nebel hing noch zwischen den Fachwerkhäusern und kroch langsam die Hänge hinauf. Ein guter Tag zum Wandern, dachte ich mir. Denn Nebel ist im Harz nie nur Nebel. Manchmal ist er auch ein sehr guter Geschichtenerzähler. Ich setzte den Hut auf, nahm meinen Wanderstock und machte mich auf den Weg in Richtung Wald. Die Runde, die ich mir vorgenommen hatte, ist eine schöne Tour rund um Blankenburg, ungefähr 10 Kilometer lang und mit gemütlichem Tempo in etwa 3 bis 3,5 Stunden zu gehen.
Der erste Abschnitt führt von der alten Stadtmauer hinauf zur Festung Regenstein. Vom Startpunkt bis dorthin sind es etwa 3,7 Kilometer, und der Weg braucht ungefähr 60 Minuten, wenn man nicht allzu sehr trödelt – was ich allerdings manchmal doch ganz gerne tue. Der Weg aus der Stadt hinaus ist einer meiner liebsten Abschnitte. Erst geht man durch stille Gassen, vorbei an alten Häusern, deren Balken schon viele Winter gesehen haben. Man hört eine Tür, einen Hund, vielleicht einen frühen Radfahrer. Doch je näher man dem Wald kommt, desto ruhiger wird es. Die Geräusche der Stadt verschwinden, und stattdessen hört man das Rascheln der Blätter, das Knacken von Ästen und manchmal das ferne Klopfen eines Spechts. Der Pfad steigt langsam an, erst zwischen Wiesen und Gärten, später unter hohen Buchen. Wer aufmerksam geht, merkt schnell, dass der Harz seine eigene Sprache hat. Der Wind rauscht anders in den Blättern als anderswo, und manchmal knackt ein Ast im Wald, obwohl kein Mensch zu sehen ist. Zwischen den Bäumen scheint immer etwas zu lauschen. Der Wald beobachtet, wer seine Pfade betritt, und manchmal hat man das Gefühl, als würden die alten Berge selbst prüfen, wer würdig ist, ihre Geschichten zu hören.
Nach einer Weile tauchten die ersten Sandsteinfelsen zwischen den Bäumen auf. Und dann stand sie plötzlich vor mir – die alte Festung Regenstein. Eine seltsame Burg ist das. Die meisten Burgen wurden gebaut, Stein auf Stein, Mauer auf Mauer.
Doch diese hier wurde in den Felsen gehauen. Treppen, Räume, Gänge und Kammern sind direkt aus dem Sandstein herausgearbeitet. Wenn man dort steht und über das Land blickt, kann man sich gut vorstellen, wie hier früher Ritter und Soldaten Wache hielten. Der Wind zieht über die Mauern, und manchmal hat man das Gefühl, als würden die alten Geschichten noch immer zwischen den Steinen wohnen. Ich setzte mich auf eine der Felskanten und ließ den Blick weit hinaus über das Harzvorland schweifen. Die Felder lagen ruhig im Morgenlicht, und irgendwo zog ein Bussard seine Kreise. Ein schöner Platz, um kurz nachzudenken oder um einfach nur da zu sitzen und nichts zu tun. Das ist im Harz ohnehin eine der wichtigsten Wanderregeln.
Nach einer kleinen Pause machte ich mich wieder auf den Weg. Der nächste Abschnitt führt von der Festung Regenstein zu den Sandhöhlen im Heers. Dieser Weg ist etwa 2 Kilometer lang und dauert ungefähr 30 Minuten. Der Pfad führt durch den Wald, über weiche Nadeln und zwischen alten Buchen hindurch. Bald verändert sich die Landschaft. Die Bäume stehen etwas weiter auseinander, und zwischen ihnen tauchen große, helle Sandsteinwände auf. Wind, Regen und Zeit haben über viele Jahrhunderte den Sandstein geformt und Höhlen, Nischen und kleine Grotten entstehen lassen. Wenn man davorsteht, sehen sie aus, als hätte jemand riesige Türen in den Berg geschnitten. Früher sollen sich hier Räuber versteckt haben. Händler, die durch den Harz reisten, erzählten sich Geschichten über Männer, die plötzlich aus den Höhlen auftauchten und ebenso schnell wieder verschwanden. Ob das so war, kann ich nicht sagen. Ich habe dort zwar noch keinen Räuber getroffen, aber einmal eine sehr entschlossene Ziege, die offenbar glaubte, sie sei eine Höhlenforscherin. Der Wind zieht durch die Felsen und macht dieses leise, pfeifende Geräusch, das man hier oft hört. Man könnte fast glauben, die Höhlen würden miteinander flüstern.
Von den Sandhöhlen führt der Weg weiter in Richtung Teufelsmauer, genauer gesagt zum Großvaterfelsen. Die Strecke dorthin beträgt etwa 4,5 Kilometer, und dafür sollte man ungefähr 80 bis 90 Minuten einplanen. Unterwegs öffnet sich der Wald immer wieder, und man bekommt schöne Blicke über die Landschaft des Harzvorlandes. Wenn man die Felsen der Teufelsmauer zum ersten Mal sieht, glaubt man fast, jemand hätte eine riesige Steinmauer quer durch die Landschaft gezogen. Felsen reihen sich aneinander, scharfkantig und dunkel, als wären sie aus der Erde gewachsen. Die Sage dazu kennt hier oben jedes Kind. Der Teufel wollte einst eine gewaltige Mauer durch den Harz bauen. Wenn er sie vor dem ersten Hahnenschrei fertigstellen konnte, sollte das Land ihm gehören. Also schleppte er in der Nacht einen Felsen nach dem anderen heran und setzte sie zu einer langen Mauer zusammen. Doch kurz bevor er sein Werk vollenden konnte, krähte irgendwo ein Hahn. Die Sonne ging auf, und der Teufel musste verschwinden. Die Mauer blieb zurück, jedoch unvollendet. Ich setzte mich auf einen der Felsen und ließ den Blick über die Landschaft schweifen. Der Wind strich durch die Spalten im Gestein, und irgendwo rief ein Rabe. Der Harz kann manchmal ziemlich beeindruckend sein, und manchmal auch einfach nur still. Der Großvaterfelsen steht hoch über Blankenburg und schaut auf die Stadt hinunter wie ein alter Wächter. Von hier oben sieht man die Dächer der Stadt, die Wälder des Harzes und das weite Land im Norden.
Der Felsen hat seinen Namen von einer alten Geschichte. Früher soll hier ein Einsiedler gelebt haben – ein Mann mit langem Bart, der Wanderern half, wenn sie sich im Wald verirrten. Die Menschen nannten ihn den Großvater des Waldes. Manche behaupten sogar, dass sein Geist noch immer über die Wälder wacht und ein Auge auf die Wanderer hat. Ich setzte mich auf den warmen Stein, zog noch einmal an meiner Pfeife und schaute hinunter auf Blankenburg. Der Nebel war längst verschwunden, und die Stadt lag ruhig im Licht des Nachmittags.
Das war eine richtig gute Wanderung. Rund 10 Kilometer, mehrere Stunden frische Luft und wieder ein paar Geschichten mehr, die der Harz erzählt hat. Und wie immer gilt hier oben: Kaum ist eine Geschichte zu Ende, beginnt schon die nächste. Ich klopfte die Pfeife aus, setzte meinen Hut auf und machte mich auf den 1,5 km langen Rückweg zur alten Stadtmauer. Dafür benötigt man zwischen 25 und 30 Minuten. Aber eines weiß ich ganz sicher, der Harz hat noch viele Geschichten übrig. Man muss nur losgehen.
Heinrichs Rat für diese Wanderung
„Wer früh losgeht, hat die Felsen noch für sich allein. Und wenn der Wind zwischen den Steinen der Teufelsmauer pfeift, dann lohnt es sich, einen Moment stehen zu bleiben. Manchmal erzählen die alten Mauern mehr Geschichten als jedes Buch.“
Doch Vorsicht, der Harz erzählt seine Sagen nicht jedem, man muss sehr wohl bereit sein, genau hinzuhören.